Ekis Rakete

„Eine Rakete soll über’s Publikum Richtung Mond fliegen und die soll glitzern!“ So ähnlich formulierte der Regisseur von Lisa’s Liebe seinen Wunsch an die Requisite. Das Bühnenbild ansich war schon ziemlich bunt und hinten rechts hing ein riesiger glitzernder Halbmond über einer stilisierten Bergkulisse. Dahin sollte die Rakete also fliegen.
Schnell war klar, dass nur der Ton- oder der Lichtoperator die Rakete starten konnten, da die Requisiteurin die ganze Zeit auf der Bühne bleiben musste. Die Auslösung musste leicht zu handeln sein und der Rakete genug Schwung verschaffen, dass sie eine Strecke von rund 20m mit nur sehr wenig Gefälle komplett überwinden konnte. Ein erster Versuch mit Gummiband und einer Art Abzug erwies sich als machbar. Da aber das Endprodukt dann auch noch einen Leuchtkörper (56cm lang!) beinhalten sollte und damit auch mehr Masse zu beschleunigen war, musste doch eine andere Lösung her. Dazu aber später mehr.

Der Korpus der Rakete entstand aus aufgeschnittenen, leeren Sprudelflaschen, welche ich mit Heisskleber zu einem Rohr mit der benötigten Innenlänge zusammenfügte. Die Klebestellen „versteckte“ ich unter Spiegelfolie, die beiden (funkgeschalteten) Leuchtkörper wurden mit Kabelbindern zusammengebunden und mittels Leitungsisolation (oder wie auch immer dieses graue Schaumstoffschlauchzeugs heisst) einfach in den Raketenkorpus eingeklemmt.
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Ein durchbohrter Gummistopfen und ein Rest der Zeltstangen (s. Leuchtglobus) bildet die Spitze der Rakete.
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Seilklemmen und Kettennotglieder als Aufhängung.
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Aus den übrigebliebenen Flaschenhälsen und einem Flaschenboden formte ich die Düsen, dazu kam etwas Lametta als „Feuerstrahl“
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Die Flügel aus Moosgummi habe ich direkt mit Heisskleber auf den Korpus geklebt. Den Safety habe ich durch sämtliche Einzelteile der Rakete durchgeführt, für den Fall, dass das ganze Teil einmal auseinanderbrechen sollte.
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Die Rakete wird nun in ein Drahtseil eingehängt und direkt dahinter läuft ein Stück Elektrorohr auf dem Drahtseil. An dem Rohr ist eine Schnur mit Endschlaufe angebracht. Damit wird die Rakete quasi „angeschoben“. Mit etwas Übung schafft man damit locker die 20m bis zum Mond, bzw bis zum anderen Ende des Drahtseils​
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Und hier endlich die Rakete im bewegten Bild:

http://www.youtube.com/watch?v=zdCATnXch_A
© Konstantin Bock

Leuchtglobus eisgekühlt

Für die Dreigroschenoper wurde am Morgen vor der HP 1 gewünscht, dass in einen Kühlschrank ein sich drehender Leuchtglobus eingebaut werden sollte.​

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Der Kühlschrank war in der Inszenierung bereits vorhanden, war inwendig ausgeschäumt (=komplett vereist) und wurde bis dahin von hinten mittels einer Handpuppe bespielt. Ab HP 1 sollte nun der Globus diese Puppe ersetzen und ausserdem mussten damit noch Filmaufnahmen für Videoeinblendungen gemacht werden.

Ein kleiner Leuchtglobus (ø 25cm) war glücklicherweise im Fundus vorhanden. Diesen habe ich kurzerhand zerlegt, die originale Lampenfassung/Drechachse auf einem Alurohr (ø 12mm) befestigt und diese in ungefährer Neigung der Erdachse von unten in den Kühlschrank eingesetzt. Durch dieses Rohr erfolgt auch die Stromzuführung (12V Akku) zum Leuchtmittel (Halogen 12V/10W). Das Alurohr wurde dann von der Plastikerin als Eiszapfen kaschiert.

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Von oben habe ich ein weiteres Loch gerade nach unten gebohrt, durch das ich die Kurbelwelle (Fiberglas Zeltgestänge) geführt habe. Die Umlenkung auf die schräge Globusachse habe ich mittels Gummischlauch und Schweissstäben (auf Schlauchseite flachgeklopft) hergestellt.

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Handtasche GOSIG-RÅTTA-144%

Für die Oper „Hänsel und Gretel“ von Humperdinck, sollte Gretel eine Handtasche in Form einer Ratte bekommen. Als Vorlage/Inspiration diente ein Ikea Kuscheltier (GOSIG RÅTTA).​

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Als ersten Schritt habe ich eine Ikea-Ratte vollständig aufgetrennt und mir dabei auch gleich notiert, in welcher Reihenfolge die Einzelteile ursprünglich zusammengenäht worden waren. Die Einzelteile habe ich dann eingescannt und mit Inkscape (als Vektorgrafik) nachgezeichnet. Die Zeichnungen dann auf DIN A4 ausgedruckt, auf A3 (144%) vergrössert und auf die ausgewählten Stoffe übertragen.
Zusätzlich musste natürlich in die Rückennaht ein Reissverschluss und Schlaufen für den Tragriemen eingenäht werden und zwischen Kopf und Körper habe ich auch eine Abtrennung gesetzt, damit es möglich war, den Kopf separat auszustopfen. Die Zähne sind aus einem weissen Kunststofftischtuch ausgeschnitten, die Augen einfache halbrunde Knöpfe. In den Körper habe ich ausserdem aus dunkler Pappe eine Versteifung eingesetzt, damit die Handtasche auch in halbleerem Zustand ihre Form einigermassen behält.

Die aufgezeichneten Einzelteile:
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Kopf und Ohren vor dem Wenden:
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Kopf mit Ohren und Zähnen:
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Reissverschluss erfolgreich eingenäht:
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Der Balg vorbereitet für die letzte Längsnaht:
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Der Kopf wird zusammen mit der Trennung an den Balg angenäht:
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Die fertige Handtasche mit den Resten der Original RÅTTA:
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Die fertige Handtasche:
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Und hier die Tasche im bewegten Bild (bei 1:05min)
http://www.mypott.de/video/H%C3%A4nsel-und-Gretel-im-Musiktheater-im-Revier/409c35d175889081a753614f7a204110

Sniper-Gewehr mit Fotoapparat

In dem Stück „Verbrennungen“ gibt es eine Szene, in der ein Scharfschütze einem Fotografen die Kamera abnimmt und sie auf seinem Gewehr befestigt, um damit Fotos von seinen Opfern im Moment ihres Todes zu machen.

Um die gewünschten Vorgaben zu erfüllen habe ich zuerst einen vorhandenen Karabiner zu einem „Scharfschützengewehr“ umgebaut (Schalldämpfer, Kühlgitter, Stummelmagazin, Zielfernrohr; die abgenutzte Optik verdankt das Gewehr dem Malsaal)

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​Auf das Zielfernrohr habe ich ein Stück Aluprofil aufgeschraubt und an die Kamera (ein ebenfalls vorhandener Dummy aus Holz und Pappe) ein passend gebogenes Gegenstück aus Flacheisen geschraubt und mit Tape umwickelt zur Minderung der Verletzungsgefahr und für einen satteren Sitz.

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​So sitzt die Kamera sicher auf dem Zielfernrohr.

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Hier das Gewehr mit angedockter Kamera:​

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Lautsprecher

100206-173325.t1JsB1E9DSsB.jpgFür die Produktion „My Fair Lady“ wollte der Regissseur die Eliza in dem Song „Es grünt so grün“ durch Higgins Haus schweben lassen. Um nicht sofort zu zeigen „Achtung, gleich kommt eine Flugnummer“ sollte im Flugwerk ein übergrosser Lautsprecher eingehängt werden, unter dem dann Eliza dahinschweben sollte. Nach einigen Proben stellte sich aber das Einhängen der Darstellerin ins Flugwerk als zu kompliziert und aufwendig dar und auf die Flugnummer wurde daher verzichtet. Zu diesem Zeitpunkt war der Lautsprecher aber bereits fertiggestellt.
Leider ein allzuhäufiges Schicksal von aufwendigeren Requisiten. In diesem Falle konnte der Lautsprecher aber immerhin auf einem Stativ dann doch noch am Bühnengeschehen teilnehmen…

Der äussere Ring aus Sperrholz und darauf provisorisch fixiert, die Membran, welche ich (ohne Vakuum) mit Hilfe einer runden Schablone über ein zerlegtes Megaphon gezogen habe (das Megaphon war ein Überbleibsel einer anderen Aktion)
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Hier die andere Seite. Die eingeklebte Gummilitze stammt ebenfalls von dem alten Megaphon…
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Ein misslungener Tiefziehversuch ergibt die Streben fürs Gehäuse.
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Der Lautsprecher nimmt langsam Formen an
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Das Gehäuse wird getackert und verklebt
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Damit der Ring eine passende Dicke bekommt, habe ich noch eine Schicht Styropor auf den vorderen Sperrholzkreis aufgesetzt.
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Der Ring ist komplett mit einer zweiten Lage Sperrholz, der Magnet aus Styropor ausgeschnitten. Die Metallhülsen werden in die Laschen des Rings eingesetzt und waren erst als Befestigungsmöglichkeit gedacht.
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Nahezu fertig. Schlossschrauben dienen der Befestigung der Halterung fürs Stativ, der Styroporrand muss noch ausgespachtelt und über das ganze dann nochmal komplett schwarz drüberlackiert werden.
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Hier nochmal das fertige Stück:
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Und hier das ganze „Tonstudio“ von Professor Higgins:
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Eine spezielle Papagenoflöte

Für die Inszenierung der Zauberflöte wollte der Regisseur drei Querflöten haben: eine Flöte für Tamino, eine für ein Skelett, welches flötenspielend aus dem Schnürboden herabgelassen werden sollte und eine Querflöte sollte zu einer Papagenoflöte umgebaut werden.

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Bei Kobliczek Musikinstrumentenbau – Christoph Hammann aus Taunusstein habe ich dann auch eine Papagenoflöte gefunden, bei der die einzelnen Flöten in eine Querflöte hineinpassten. Dazu musste natürlich das kostbare Stück mittels Japansäge in seine Einzelteile zerlegt werden.
Nun musste ich „nur“ noch die Querflöte entsprechend aufteilen, zersägen und wieder zu einer Art Panflöte zusammenlöten…

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Dazu habe ich mir eine kleine Hilfskonstruktion aus Holz gebaut, auf die ich die Einzelteile auffädeln konnte. Die Verbindungsstücke stammen von einer weiteren bereits zerteilten Querflöte (der erste Vorschlag hatte vor dem Auge des Regisseurs keine Gnade gefunden), gelötet hab ich das Ganze mit Flamme.

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Vorderansicht der fertigen Papagenoflöte
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Rückansicht der Papagenoflöte

Die Einzelteile der Originalflöte habe ich mit einem Stück Bambusholz in passenden Abständen wieder miteinander verbunden. Die Holzflöte steckt so fest und ohne weitere Klebeverbindung in dem „Querflötengehäuse“

Mein Fundus, mein neuer Blog

Hallo Allerseits!

Nachdem ich meinen alten Blog sträflichst vernachlässigt habe und auch der Titel nicht mehr so wirklich passen will (ich wohne ja doch schon etwas länger nicht mehr in Köln), habe ich vor hiermit etwas Neues zu versuchen. Hier möchte ich in loser Reihe aktuelle und auch ältere Arbeiten (Requisiten, private Projekte, …) von mir vorstellen und daneben aber auch interessante Fundstücke aus meinem (Theater-) Alltag präsentieren.
Hoffentlich bis bald mit neuen Einträgen…
Urs